Seit Sommer 2016 nimmt das Museum Arbeitswelt am EU-Projekt COME-IN! des Interreg CENTRAL EUROPE Programmes, teil. Das Projekt hat es sich zum Ziel gemacht, kleine und mittelgroße Museen in Europa barrierefreier zu machen. Der Großteil der Investitionen floss in die im Mai 2018 eröffnete Ausstellung ARBEIT IST UNSICHTBAR. Sieben Monate nach der Eröffnung kann heute am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung eine erste positive Bilanz gezogen werden.

Bei der Planung und Gestaltung der Ausstellung wurde großer Wert darauf gelegt, diese umfassend barrierefrei umsetzen. Das beginnt bei der Einrichtung eines Behinderten-Parkplatzes direkt vor dem Museum, über den Abbau von Bodenschwellen, sowie die Zugänglichkeit von Texten, Installationen und Vitrinen für Rollstuhlfahrer/innen. In der Ausstellung selbst wurden viele Bereiche mit unterschiedlichen Sinnen erfahrbar gemacht. Hörstationen, Riechstationen und insbesondere taktile Bereiche erlauben die Zugänglichkeit von Inhalten für Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigungen und für alle Besucher/innen ein sprichwörtliches „Begreifen“ der Museumsinhalte.
Besucherbefragungen
In den ersten sechs Monaten nach der Eröffnung wurden die Veränderungen und ihre Wirkungen auf Besucher/innen wissenschaftlich qualitativ und quantitativ über von der Fachhochschule Erfurt erhoben.
Die Zahlen sprechen für sich:
  • Für 59% aller Besucher/innen ist die Barrierefreiheit in einem Museum wichtig oder sehr wichtig, wenn sie sich für einen Besuch desselbigen entscheiden.
  • Eine ebenso große Anzahl an Besucher/innen sieht die barrierefreien Elemente als interessant und hilfreich an, obwohl sie selbst überwiegend nicht beeinträchtigt sind.
  • 2/3 aller Besucher/innen, die das Museum bereits kennen, sehen eindeutige Verbesserungen in puncto Barrierefreiheit im Haus.
  • 100% aller befragten Besucher/innen mit Beeinträchtigungen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit der Barrierefreiheit im Museum Arbeitswelt.
Geschultes Personal
Neben den räumlichen Veränderungen wurde auch das gesamte Personal des Museums in Sensibilisierungs-Workshops im Hinblick auf die heterogenen Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen geschult. Diese Schulungen dürften sich ausgezahlt haben, denn mehr als 94% aller Besucher/innen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit der Freundlichkeit und Kompetenz des Personals im Umgang mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Neben diesen Zahlen wurden auch persönliche Rückmeldungen eingeholt: Ein Besucher antworte zum Beispiel, dass ihm die „taktile Aufbereitung“ am besten gefallen hatte, eine weitere Besucherin hebt insgesamt hervor, dass die Ausstellung für alle Sinne sei. Die „Einfachheit und Verständlichkeit“ der Inhalte ist einer weiteren Besucherin positiv aufgefallen.
App vermittelt Inhalte
„Besonders stolz sind wir auf die Capito App. Mithilfe dieser App können 19 QR-Codes in der Ausstellung abgerufen werden. Beim Abrufen dieser Codes bekommen die Besucher/innen alle Inhalte der Ausstellung im Originaltext, in Englisch, in Leichter Lesen Niveau A2 und mehrere Videos in Gebärdensprache. Eine erste Auswertung zeigt, dass zwischen 13 und 26% aller Besucher/innen auf diese QR-Codes zurückgreifen, was ein schöner Erfolg ist und zeigt wie gut barrierefreie Elemente angenommen werden“, betont Katrin Auer, Geschäftsführerin des Museum Arbeitswelt.
Barrierefreie Pädagogik
„Im Bereich der Pädagogik stellen wir fest, dass die als barrierefrei konzipierten Stationen auch sehr stark von Personen ohne Beeinträchtigung genutzt werden. Die taktilen Elemente, die das Angreifen von Originalgegenständen und Replikas ermöglichen, sprechen den Großteil unserer Besucher/innen an. Barrierefreiheit bietet hier eindeutig einen Mehrwert für alle“, sagt Martin Hagmayr, Leiter der Pädagogischen Abteilung im Museum.
Was noch geplant ist
Mit den genannten Verbesserungen ist natürlich der Prozess der Barrierefreiheit noch nicht abgeschlossen. 2018 fanden die ersten Führungen und Veranstaltungen mit Gebärdensprachdolmetschern statt, die 2019 ein fixer Bestandteil des Angebots des Museums werden sollen. Ebenso ist 2019 geplant ein spezielles Angebot im Museum für an Demenz erkrankte Personen zu setzen. Die bisher gemachten Erfahrungen im Umgang mit Barrierefreiheit sollen idealerweise in die Planungen für die Landesausstellung 2021 fließen, die auch im Museum Arbeitswelt stattfinden wird.

Logo des Projekts COME-IN!