Zu einem Filmerlebnis der besonderen Art laden am Mittwoch, den 28. November, die Grünen Steyr, das Museum Arbeitswelt und das Mauthausen Komitee Steyr ein. Im Citykino Steyr wird um 19:30 die restaurierte Fassung des Stummfilms Die Stadt ohne Juden gezeigt.
Der Film aus dem Jahr 1924 ist einer der wichtigsten österreichischen Stummfilme der Zwischenkriegszeit. Regisseur ist Hans Karl Breslauer, der den gleichnamigen Bestsellerroman des Jahres 1922 von Hugo Bettauer mit damaligen Film- und Schauspielstars wie Hans Moser auf die Leinwand brachte. Der satirisch gefärbte Roman über den damals schon eskalierenden Antisemitismus beschrieb bereits in den 20er Jahren vieles von dem, was später wirklich passierte.
Zum Inhalt
Utopia, eine fiktive Stadt, gebeutelt von Inflation, Arbeitslosigkeit und Verlustängsten. Verantwortlich gemacht für all das Übel wird die jüdische Bevölkerung. Auf Drängen des Volkes erlässt der Bürgermeister schließlich ein Gesetz, dass alle Juden die Stadt verlassen müssen. Schnell stellt sich allerdings heraus, dass damit die Probleme nicht gelöst sind. Die Stadt wird zum Dorf. Kultur und Wirtschaft verschwinden … Was als satirische Dystopie gedacht war, wurde zur Vorahnung der Vertreibung.
Teile des Films galten lange als verschollen und wurden in den bisherigen Fassungen rekonstruiert. 2016 tauchte auf einem Pariser Flohmarkt eine Kopie auf, die um 30 Minuten länger ist, als die bis dahin bekannte Fassung. Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne wurde der Film vom Filmarchiv Austria restauriert und ist seit Herbst auch in einigen Kinos in den Bundesländern zu sehen.
Ein besonderes Highlight wird auch die Livemusik sein: Manfred Punz aus Micheldorf studierte an der Kunstuniversität Graz und am Brucknerkonservatorium in Linz. Er tritt mit verschiedensten Jazz Formationen und Big Bands auf und wird die Geschehnisse auf der Leinwand am Klavier begleiten.