Weni­ger arbei­ten, mehr freie Zeit: Eine Uto­pie, die mit der Digi­ta­li­sie­rung zur rea­len Alter­na­tive wer­den könnte. Doch ist unsere Gesell­schaft schon bereit dafür und wenn ja, auf was müs­sen wir bei solch einer grund­le­gen­den Ver­än­de­rung Acht geben? Mit Daniel Häni, Ger­hard Hade­rer, Gabriele Hei­nisch-Hosek, Monika Köppl-Turyna und Mar­kus Mar­ter­bauer dis­ku­tiert am Mi., dem 19. Sep­tem­ber, ein hoch­ka­rä­tig besetz­tes Podium über die Chan­cen und Gefah­ren eines Bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens. Mode­riert wird der Abend von Chris­tine Haiden.
Viele neue Tech­no­lo­gien wer­den von Trend­for­schern „dis­rup­tiv“ genannt. Soll hei­ßen: Sie zer­stö­ren ganze Geschäfts­fel­der; gut lau­fende Fir­men kön­nen inner­halb weni­ger Jahre Bank­rott gehen, wenn sich eine neue Tech­no­lo­gie durch­setzt. Die Geschwin­dig­keit des Wan­dels selbst kann Pro­bleme ver­ur­sa­chen: Eli­mi­niert die Tech­no­lo­gie einen Beruf oder ent­wer­tet sie gar eine ganze Kate­go­rie von Kom­pe­ten­zen, müs­sen die betrof­fe­nen Arbeitnehmer/innen neue Fähig­kei­ten ent­wi­ckeln. Das funk­tio­niert natür­lich nicht immer von heute auf mor­gen. Doch was, wenn die­ser Pro­zess zehn Jahre dau­ert? Und was, wenn der tech­ni­sche Wan­del in der Zwi­schen­zeit wei­ter­geht? Vie­ler­orts wird über Alter­na­ti­ven nach­ge­dacht, wie die­ser Wan­del sozial und öko­no­misch ver­träg­lich gestal­tet wer­den kann.
Eine der mitt­ler­weile bekann­tes­ten und meist dis­ku­tier­ten ist die eines Bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens. Die Vision ist an die Pro­gnose gekop­pelt, dass in Zukunft kaum jemand mehr arbei­ten muss, weil intel­li­gente Sys­teme für uns prak­tisch alles erle­di­gen. Kaum jemand kann dann Ein­kom­men durch Arbeit erwirt­schaf­ten, wes­we­gen sich die Wirt­schaft auf eine ganz neue Grund­lage gestellt wer­den müsste. Jedem Bür­ger und jeder Bür­ge­rin soll ein Grund­ein­kom­men aus­be­zahlt wer­den, das den Lebens­un­ter­halt deckt. Dar­über hin­aus kann man mit Arbeit etwas zusätz­lich ver­die­nen, man muss aber nicht.
Die Vision ist wun­der­bar, hat aber auch ihre frag­wür­di­gen Sei­ten. Solange es noch Arbeit gibt, wird ein Teil der Gesell­schaft wei­ter arbei­ten, ein ande­rer Teil lei­det zwar nicht unter Not, aber ihm fehlt die gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung, die heute immer noch mit Arbeit ver­bun­den ist. Würde dann ein Grund­ein­kom­men nicht zu einer Zwei-Klas­sen-Gesell­schaft füh­ren? Und ist es wirk­lich gerecht, wenn alle, egal wie viel sie besit­zen, wie hoch ihr Gehalt ist und egal wo sie leben, wie ihr Gesund­heits­zu­stand ist, das glei­che Grund­ein­kom­men bekom­men? Hier schei­den sich die Geis­ter und auch die Berech­nungs­bei­spiele. Trotz­dem for­dern immer mehr Men­schen, dass ein sol­ches Grund­ein­kom­men erprobt wer­den sollte.
Denn abseits von Finan­zie­rungs- und Ver­tei­lungs­fra­gen würde ein sol­ches Grund­ein­kom­men die Struk­tu­ren und Nor­men des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­le­bens ver­än­dern: Wer oder was moti­viert die Men­schen, um sich zu bil­den? Müs­sen die Tage neu struk­tu­riert wer­den? Wenn Arbeit wirk­lich frei­wil­lig wird, wird wirkt sich das auf Arbeitgeber/innen und Arbeitnehmer/innen aus? Wer erle­digt dann die Jobs, die nicht auto­ma­ti­siert wer­den kön­nen und schlecht bezahlt sind? Men­schen kön­nen zwar so krea­tiv sein wie sie wol­len, aber wol­len sie das auch wirk­lich? Oder ver­sin­ken sie in Gleich­gül­tig­keit? Viele Fra­gen lie­ßen sich daran anknüp­fen, die ohne Ver­such nur ein­ge­schränkt beant­wor­tet wer­den können.
Geht der Mensch­heits­traum vom Ende der Arbeit mit der Digi­ta­li­sie­rung in Erfül­lung? Wie könnte so ein Leben nach der Arbeit aus­se­hen? Und wer­den Men­schen mit der gewon­nen Frei­heit, die ihnen durch ein Bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men ver­spro­chen wird, umge­hen kön­nen? Die Auf­takt­ver­an­stal­tung zur Reihe „Digi­tale Trans­for­ma­tion“ soll Licht hin­ter all diese Fra­gen bringen. 

 

PODIUMSRUNDE

Ger­hard Haderer

ist öster­rei­chi­scher Kari­ka­tu­rist und grün­dete 2017 die Denk­werk­statt „Schule des Unge­hor­sams“ in der Lin­zer Tabak­fa­brik. Er gilt als Befür­wor­ter eines bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens und unter­stützt die öster­rei­chi­sche Initia­tive „Genera­tion Grund­ein­kom­men“. (© Man­fred Winter)

Daniel Häni

ist ein Schwei­zer Unter­neh­mer und gilt Ver­fech­ter eines bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens. Er begrün­dete die „Initia­tive Grund­ein­kom­men“ in der Schweiz mit und ist Spre­cher der „Volks­in­itia­tive Bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men“, die 2016 eine Volks­ab­stim­mung in der Schweiz initi­ierte. Gemein­sam mit Philip Kovce ist er Autor der Bücher „Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedin­gungs­lose Grund­ein­kom­men die rich­ti­gen Fra­gen stellt.“ (2015) und „Was wür­dest du arbei­ten, wenn für dein Ein­kom­men gesorgt wäre? Mani­fest zum Grund­ein­kom­men.“ (2017) (© Axel Griesch)

Gabriele Hei­nisch-Hosek

ist Leh­re­rin und öster­rei­chi­sche Poli­ti­ke­rin. Als sol­che ist sie heute Abge­ord­nete zum Natio­nal­rat für die SPÖ. Die ehe­ma­lige Frauen- und Bil­dungs­mi­nis­te­rin beklei­det bereits seit 2009 das Amt der Frau­en­vor­sit­zen­den der SPÖ. (© Par­la­ments­di­rek­tion / PHOTO SIMONIS)

Monika Köppl-Turyna

ist Öko­no­min und forscht seit 2015 für das Insti­tut Agenda Aus­tria. (© Mar­kus Rössle)

Mar­kus Marterbauer

ist Öko­nom und lei­tet die Abtei­lung Wirt­schafts­wis­sen­schaft und Sta­tis­tik der Arbei­ter­kam­mer Wien. (© AK Wien)

Mode­ra­tion: Chris­tine Haiden

ist Jour­na­lis­tin und Autorin. Sie ist Chefra­dak­teu­rin der Zeit­schrift „Welt der Frau“ und Prä­si­den­tin des . Pres­se­clubs. (© Röbl)