WIR VERABSCHIEDEN UNS VON MIKE GLÜCK (1968–2018)

Unser Freund, Kol­lege und Mit­strei­ter Mike Glück ist gestor­ben. Wir ver­dan­ken die­sem unge­heuer tat­kräf­ti­gen, inspi­rie­ren­den und star­ken Men­schen sehr, sehr viel. 
Im länd­li­chen Sier­ning auf­ge­wach­sen, zog es Mike im Jugend­al­ter nach Steyr. Eine Stadt, die seit­her sein Lebens­mit­tel­punkt war und die er nach­hal­tig ver­än­dern sollte. Der lei­den­schaft­li­che Gitar­rist prägte die hie­sige alter­na­tive Kul­tur- und Musik­szene wie kein zwei­ter. Mit der Band Dharma Bums Insane gelang es Mike und sei­nen Kol­le­gen schon Ende der 80er regio­nale Kon­zert­büh­nen zu rocken. Kon­zerte in ganz Öster­reich und den Nach­bar­län­dern soll­ten folgen.
Aus der Ener­gie, die sich rund um die „jun­gen Wil­den“ bün­delte, ent­stand der Kul­tur­ver­ein Kraft­werk. Ein Kel­ler am Stey­rer Stadt­platz wurde schließ­lich zum Mit­tel­punkt der Stey­rer Alter­na­tiv­szene. Über ein Jahr fan­den dort legen­däre Kon­zert­abende statt. Bands wie Naked Lunch, Att­wen­ger, Kur­ort, Lung­fish und viele andere tra­ten erst­mals in Steyr auf. Mike selbst wirkte im Kraft­werk nicht nur mit sei­nen Bands, son­dern küm­merte sich als ers­ter Obmann auch um das Boo­king und stand bei fast allen Kon­zer­ten hin­term Misch­pult. Ein Hand­werk, das er dort nach und nach ver­bes­serte und wel­ches sein beruf­li­ches Leben ent­schei­dend prä­gen sollte.
Der Kel­ler, rück­bli­ckend ein Nukleus der Stey­rer Sub­kul­tur, musste auf­grund diver­ser Unpäss­lich­kei­ten wie­der geschlos­sen wer­den. Sein Ziel nie aus den Augen ver­lie­rend, star­tete Mike mit vie­len ande­ren in den Mona­ten danach erneut eine Initia­tive, um Raum für dama­lige Jugend­kul­tur zu schaf­fen. Aus die­ser sollte schließ­lich (über etli­che Umwege) unser gelieb­tes Kul­tur­haus RÖDA ent­ste­hen. Ein Haus, das Mike nicht nur ent­schei­dend mit­auf­baute, son­dern das über die letz­ten 20 Jahre zu sei­nem kul­tu­rel­len Zen­trum wurde.
Es lie­ßen sich tau­sende Geschich­ten über Mike und das RÖDA erzäh­len – alle haben wir sicher hun­derte davon gehört oder sogar mit­er­le­ben dür­fen. Mike war der erste Obmann des Trä­ger­ver­eins RÖDA, betreute seit Anbe­ginn den Tech­nik­be­reich und mischte hun­derte Kon­zerte. Dar­über hin­aus war er bis zuletzt ehren­amt­li­ches Vor­stand­mit­glied und küm­merte sich unter ande­rem um unsere Finan­zen. Noch vor weni­gen Tagen haben wir mit ihm über Maß­nah­men gespro­chen, die wir gemein­sam gegen die Kür­zun­gen im Kul­tur­be­reich set­zen wol­len. Mike war unser Umset­zer, Stra­tege, Netz­wer­ker und als Licht­ge­stalt der freien Szene setzte er sich gegen alle Müh­len der poli­ti­schen Ebe­nen für unsere Anlie­gen ein. Mike war dabei unheim­lich aus­dau­ernd, ent­schie­den, ver­ant­wor­tungs­voll und erfah­ren. Wenn ihm etwas wich­tig und er davon über­zeugt war, steckte er seine ganze Ener­gie hin­ein. Ein­drucks­voll hat er uns das erst zuletzt bei der Gestal­tung des Buchs zu „20 Jahre RÖDA“ gezeigt. Ohne Mike wären weder das Buch, noch der Film „Jedem Dorf sein Under­ground“ in die­ser Form mach­bar gewesen.
Ohne Mike gäbe es unser RÖDA, so wie es heute dasteht, nicht.
Mike war aber nicht nur im RÖDA aktiv. Nach­dem er schon seit Jah­ren für das benach­barte Museum Arbeits­welt Ver­an­stal­tun­gen betreut hatte, nahm er dort Anfang 2017 erst­mals eine fixe Anstel­lung an. Dabei sah er seine Auf­ga­ben nicht nur in der tech­ni­schen Abwick­lung von Ver­an­stal­tun­gen und Aus­stel­lun­gen, son­dern berei­cherte diese durch den kol­le­gia­len Aus­tausch mit sei­nem breit­ge­fä­cher­ten Wis­sen und beriet immer auch inhalt­lich – aus Überzeugung.
Als lei­den­schaft­li­cher Fuß­ball­fan war Mike in den letz­ten Jah­ren für den SK Vor­wärts Steyr ehren­amt­lich aktiv und sorgte bei Pres­se­kon­fe­ren­zen und Fan-Stamm­ti­schen für den guten Ton.
Außer­halb Steyrs gilt Mike heute als das Aus­hän­ge­schild der Stey­rer Kul­tur- und Musik­szene. Als Ton­tech­ni­ker beglei­tete er ver­schie­dene Bands durch Öster­reich, Europa und dar­über hin­aus. Mike folgte auch pri­vat sei­nen Lieb­lings­bands bis in die USA. Als einer der größ­ten Neil Young Fans sah er sein Idol so oft es ihm mög­lich war. Seit den 90er-Jah­ren coverte er mit sei­nen Bands Young­do­zer und spä­ter mit Hirschmugl & Glueck Electric zahl­rei­che Songs „des Meis­ters“. Seine Lei­den­schaft ver­sinn­bild­lichte sich aber auch in sei­ner beein­dru­cken­den Plat­ten­samm­lung und sei­nem lexi­ka­li­schen Musikwissen.
Uns Freun­din­nen und Freun­den bleibst du, Mike, aber auch als Back­gam­mon-Sie­ger, Schwimm­schul­lie­ger, über­zeug­ter Rau­cher, begna­de­ter Bier­trin­ker, begeis­ter­ter Padd­ler, Koch, Hobby-Gärt­ner, Schwam­merl­su­cher, Gscheid­waschl, Stur­schädl, vor allem aber als unheim­lich warm­her­zi­ger, hilfs­be­rei­ter, ver­läss­li­cher, prin­zi­pi­en­treuer, direk­ter und zugleich lie­be­vol­ler Mensch in Erinnerung.
Für uns ist es schön, dass wir einen gemein­sa­men Weg mit dir gehen durf­ten. Völ­lig uner­war­tet soll die­ser nun zu Ende sein. Beim letz­ten Besuch im Kran­ken­haus hast du dich auf deine herz­li­che Weise mit den Wor­ten „Mocht’s kan Bledsinn. Passt’s auf eich auf.“ verabschiedet.
Auch wenn es uns das Herz zer­reißt, wer­den wir wei­ter­ma­chen und auf uns, und das, was du auf­ge­baut hast, in dei­nem Sinn aufpassen.
So wirst du immer bei uns bleiben.
Danke für alles, Mike!
Mar­lene Baranyik (Vor­stands­mit­glied, RÖDA)
Jür­gen Kög­l­ber­ger (Obmann, RÖDA)
Ste­phan Rosin­ger (Museum Arbeitswelt)
 Im Namen des RÖDA-Vor­stands & Team sowie dei­ner Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen im Museum Arbeitswelt.