Das war ARBEIT IST UNSICHTBAR

Nun ist es wirk­lich soweit. Anders als geplant und ohne großen Abschied ist unsere Ausstel­lung ARBEIT IST UNSICHTBAR zu Ende gegan­gen. Die Zeit ihrer Präsen­ta­tion war gespickt mit ein­er Menge High­lights und Beson­der­heit­en. Seien es die vie­len tausend Schüer­lerin­nen und Schüler, die mit uns zum The­ma ARBEIT geAR­BEIT­ET haben, die vie­len unter­schiedlichen Ver­anstal­tun­gen, Lesun­gen, Diskus­sio­nen und Pro­jek­te oder auch die Ver­lei­hung des Muse­um­spreis­es 2019 sowie der Erhalt des COME-IN! Labels für bar­ri­ere­freie Ausstellung.

So sehr wir uns auf die Lan­desausstel­lung ARBEIT WOHLSTAND MACHT freuen, ist dur­chaus etwas Wehmut dabei. Bevor die Ausstel­lung nun aber tat­säch­lich für immer unsicht­bar wird, möcht­en wir noch einige per­sön­liche High­lights von ARBEIT IST UNSICHTBAR wiedergeben. Objek­te, Räume und Gedanken, die uns als Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er beson­ders in dieser Ausstel­lung gefall­en oder zum Nach­denken angeregt haben.

 

Highlights

Lassen Sie uns gemein­sam noch eine let­zte, dig­i­tale Runde durch ARBEIT IST UNSICHTBAR gehen und sehen wir uns die Lieblingsplätze unseres Teams gemein­sam an.

Film: extrawel­ten
Audiose­quen­zen: Christop May­er CHM

 

DAS WESENTLICHE DER ARBEIT IST UNSICHTBAR

Ein Blick hin­ter den Vorhang | von Philip, Kulturvermittler

“Arbeit ist…Ja was eigentlich? Die Mei­n­un­gen und Def­i­n­i­tio­nen zum The­ma Arbeit sind so vielfältig, wie die Men­schen selb­st. Ein notwendi­ges Übel, Beru­fung, Ort der Kreativ­ität, Zwang? Was wir heute im All­ge­meinen als Arbeit beschreiben, gibt es erst seit ein­er rel­a­tiv kurzen Zeitspanne in der Men­schheits­geschichte. Über Arbeit Nachzu­denken bedeutet also  über die Gesellschaft nachzu­denken und das ist für mich die wesentliche Auf­gabe, die das Muse­um Arbeitswelt erfüllen muss. Mein Objekt ist eigentlich ein Raum — der Eröff­nungsraum in der Ausstel­lung ARBEIT IST UNSICHTBAR, der durch seine Atmo­sphäre Ruhe ausstrahlt und zum Nach­denken animiert.”

Foto: Klaus Pichler

Vom Erzberg in die Waffenfabrik

Gesteins­brock­en vom Erzberg | von Eva, Kulturvermittlerin

Evas Favorit in ARBEIT IST UNSICHTBAR waren die Gesteins­brock­en vom Erzberg im Dio­ra­ma-Raum. In diesem Raum gehen wir der Geschichte der Indus­tri­al­isierung am Beispiel Steyrs nach und ver­fol­gen die Stof­fumwand­lung vom Erz zur Waffe.

„Sie (Anm. die Steine) sind zwar eigentlich ziem­lich unschein­bar, haben aber mein­er Mei­n­ung nach päd­a­gogis­chen Mehrw­ert. Sie binden die Besuch­er direkt mit ein, man darf wirk­lich etwas auch “begreifen” und kann so auch leichter nachvol­lziehen, wie schw­er die Arbeit war. Auch gilt es das Rät­sel zu lösen welche Steine wohl Erz enthal­ten, was beson­ders Kinder zum Mit­machen motiviert und die Präsen­ta­tion auflock­ert. Vor allem aber verdeut­lichen sie, dass die typ­is­chen Fraue­nar­beit­en dur­chaus nicht leicht waren, son­dern schwere kör­per­liche Arbeit und eben manch­mal auch außer­halb des Haushalts.“

Foto: Christof Zachl

Gasthaus zum Goldenen Pflug

Der Spuck­napf | von Mar­tin, Leitung Abteilung Ver­mit­tlung & Wissenschaft

Damals vielle­icht noch wichtiger wie heute ist das Gasthaus ein wichtiger Ort der Zusam­menkun­ft. Orte der Utopi­en und Räume der Diskus­sion. Unschein­bar in unseren Gasthaus ver­steckt, ste­ht ein Spuck­napf und davor ein Schild: » Das Ausspuck­en darf nur in die hierzu aufgestell­ten Spuck­näpfe geschehen « 

“Ich kenne diese Tafel seit­dem ich im Muse­um arbeite und fand sie bish­er ein­fach nur kurios. Seit diesem Jahr hat sie eine völ­lig neue Bedeu­tung für mich bekom­men. Solche Tafeln wur­den um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhun­dert an öffentlichen Orten, wie Bahn­höfen, Schulen und Gasthäusern aufgestellt. Eine Reak­tion der europäis­chen Staat­en, um eine damals grassierende Krankheit, die Tuberku­lose, einzudäm­men.  Eine Sit­u­a­tion, die uns allen nur allzu bekan­nt ist.”

Foto: Klaus Pichler

Das Waffenrad

Das Streben nach Frei­heit | von Mateusz, Kulturvermittler

Pro­duk­te aus Steyr fan­den in der Ausstel­lung ihren promi­nen­ten Platz. Arrang­iert als Pro­duk­t­präsen­ta­tio­nen, zeigt jedes Objekt auch unsicht­baren Geschicht­en, wie z.B. das Waf­fen­rad — das Liebling­sob­jekt von Matusz:

“Wie kann ein altes Steyr-Waf­fen­rad zum per­sön­lichen Liebling­sob­jekt wer­den? Schließlich gibt es doch heutzu­tage nichts Selb­stver­ständlicheres als auf unserem Fahrrad durch unseren aben­teuer­lichen All­t­ag zu radeln. Doch dieses zweirä­drige ein­spurige Land­fahrzeug, das durch das schweißtreibende Treten in die Ped­ale fort­be­wegt wird, ist mehr als ein bloßes Gestell aus Met­all. Es repräsen­tiert seit dem Beginn des 20. Jh. das Streben nach Frei­heit – ein uni­verselles, unteil­bares und unveräußer­lich­es Men­schen­recht.”

Foto: Klaus Pichler

Neue Mobilität

Tech­nolo­gien der Zukun­ft | von Maria, Kaufmän­nis­che Leitung

Passend zum The­ma Mobil­ität wählte Maria als Liebling­sob­jekt ein sehr unschein­bares Pro­dukt: das grüne Ladek­a­bel für Fahrzeuge mit Elektroantrieb. 

“Mit dem grü­nen Ladek­a­bel verbinde ich nicht nur die Hoff­nung, dass in Steyr auch auf­grund des Trends zur Elek­tro­mo­bil­ität gute und nach­haltige Arbeit­splätze geschaf­fen wer­den. Das Ladek­a­bel ist für mich näm­lich auch ein Sym­bol dafür, dass wir mit unseren Ange­boten im Muse­um einen kleinen Beitrag dazu leis­ten, die Gesellschaft mit Mut ‘aufzu­tanken’, um neue Impulse zu schaf­fen und vor allem die Jugend dabei unter­stützen sich demokratisch in Entschei­dung­sprozesse einzubringen.”

Foto: Klaus Pichler

Wem gehört die Zeit? 

Das Per­son­al­buch der Öster­re­ichis­chen Waf­fen­fab­riks­ge­sellschaft | von Robert, ehem. Leitung der Abteilung Ver­mit­tlung & Wissenschaft

“Von den vie­len Objek­ten, die mir irgend­wie ans Herz gewach­sen sind, würde ich vielle­icht das Per­son­al­buch der Waf­fen­fab­rik her­vorheben. Dieses kann wirk­lich ein Nach­denken über die his­torische Gewor­den­heit unser­er plu­ral­is­tis­chen Gesellschaft bewirken, wie das so in dieser unmit­tel­bar-sinnlichen Form vielle­icht nur Muse­um kön­nen.
Das Per­son­al­buch lis­tet bekan­ntlich die Geburt­sorte aller Bedi­en­steten auf, die sich prak­tisch auf halb Mit­teleu­ropa verteilen. Die Namen der damals Zuge­wan­derten gel­ten heute im Hier und Jet­zt längst als ein­heimisch. Sie illus­tri­eren nicht nur, dass Arbeitsmi­gra­tion und kul­turelle Vielfalt in den Indus­tri­estädten des späten 19. Jahrhun­derts Nor­mal­ität war. Sie regen auch dazu an, sub­jek­tive Vorstel­lun­gen über frühere und heutige „Fremde“ zu über­prüfen, in Frage zu stellen, gegebe­nen­falls zu rev­i­dieren und zu erweit­ern. Wenn das ein Muse­um zu leis­ten ver­mag, dann hat es mein­er Mei­n­ung nach viel erreicht…”

Foto: Muse­um Arbeitswelt

Getaktet in der Freizeit

Die “Eieruhr” | von Bet­ti­na, Admin­stra­tion & Besucher/innenservice

Zeit spielt auch beim Liebling­sob­jekt von Bet­ti­na eine Rolle. Ihr favorisiertes Stück in der Ausstel­lung ist die Eieruhr.

“Früher in jedem Haushalt anzufind­en und ein wichtiges Haushalts­gerät der guten Haus­frau. Die Eieruhr, ein Garant das das Essen nicht verkocht oder gar anbren­nt. Haushal­ten und Sparen war die Devise, Ver­schwen­dung war nicht an der Tage­sor­d­nung. Durch sie kann man die Zeit über der vie­len Arbeit im Hause die tagtäglich anfällt, mit gutem Gewis­sen  vergessen – abwaschen in der Lavoir, kehren statt saugen, Tep­pich ausklopfen, Wäsche waschen, flick­en, bügeln, putzen … es ist immer was zu tun – und die ver­lässliche Eieruhr trägt dazu bei, ein gut gekocht­es Essen auf den Tisch zu stellen. Mahlzeit!”

Foto: Muse­um Arbeitswelt

Kollektivvertrag

Neue Freizeit | von Mar­tin, Leitung Abteilung Ver­mit­tlung & Wissenschaft

„Der Kollek­tivver­trag ist auf den ersten Blick ein unschein­bares Doku­ment, erzählt aber mehrere span­nende Geschicht­en. Mit der Ein­führung der 40-Stun­den-Woche 1975 wurde zum ersten Mal für einen Großteil der Bevölkerung der Sam­stag frei und gle­ich­sam das Woch­enende erfun­den. Außer­dem ste­ht es für die Kon­senssuche der 2. Repub­lik im Rah­men der Sozial­part­ner­schaft, um die uns viele Län­der beneiden.”

Foto: Muse­um Arbeitswelt

Die Coca-Cola Kühltasche

Endlich Woch­enende | von Ste­fan, Instand­hal­tung & Haustechnik

Inhaltlich passend zu Mar­tin, ist das Liebling­sob­jekt von Ste­fan die Cola-Tasche. Arbeit­szeitverkürzun­gen bedeuten auch ein „Mehr“ an Freizeit und damit Zeit für die Fam­i­lie, für den Lieblingss­portvere­in, für Aus­flüge, Kon­sum und Urlaub. 

“Die gle­iche Cola-Kühltasche stand viele Jahre bei meinen Eltern in der Speis. Wenn sie aus­gepackt und gefüllt wurde hieß es Aus­flug! Cola war aber nie drinnen…” 

Foto: Muse­um Arbeitswelt

Ohne Arbeit?

Der “Light-Room” | von Felix, Kulturvermittler

“Arbei­t­ende Men­schen sollen in der Ausstel­lung Gehör find­en.” Das war eine Prämisse in der Ausstel­lungs­gestal­tung. Mehrere Audio­sta­tio­nen in der Ausstel­lung geben Mei­n­un­gen und O‑Töne von Arbeiter/innen, Angestell­ten und Selb­ständi­gen zum The­ma Arbeit wieder – wie unser “Light-Room”, der Liebling­sort von Felix.

„Wie kön­nte eine Welt ohne Arbeit sein? Wer wäre ich ohne Arbeit? In ein­er Ausstel­lung mit dem Titel ARBEIT IST UNSICHTBAR, in einem Muse­um Arbeitswelt sich mit Nicht-Arbeit auseinan­derzuset­zen fand ich einen großar­ti­gen Zugang. Nur so kon­nte man sich ein wirk­lich ganzheitlich­es Bild zum The­ma machen. Dazu reichte ein reizre­duziert­er, weißer Tep­pichraum und Stim­men mit größ­ten­teils oberöster­re­ichis­chem Akzent. Man machte es sich bequem, lauschte ihren Gedanken, spürte wie sehr sie die Fra­gen forderten: “A Welt ohne Arbeit, des kann i ma gar ned vorstellen”, ” man hat es nicht anders gel­ernt, man weiß nicht, wie es wäre “, ” Wer ich dann wär‘? Keine Ahnung, frog mei Frau”. Ganz von selb­st kamen auch in mir dadurch die Fra­gen auf: Was würde ich tun? Wer wäre ich dann? Würde mir eine Welt ohne Arbeit gefall­en, oder eher nicht? So wie mir ging es auch vie­len BesucherIn­nen und die viel­seit­i­gen und anre­gen­den Diskus­sio­nen, für die der Raum den Impuls gab, waren mein High­light der Ausstellung.”

Foto: Klaus Pichler

Keine Angst vor Robotern

Pep­per und seine Fol­gen | von Wern­er, Kulturvermittler

Ohne Arbeit zu sein, ist ein The­ma das unsere Gesellschaft inten­siv beschäftigt. Neue Tech­nolo­gien erset­zen immer öfters men­schliche Arbeit­skraft. In unserem Raum „Keine Angst vor Robot­ern“ kann man das mit dem Ser­vicer­o­bot­er Pep­per haut­nah erleben. Wir alle haben Pep­per ins Herz geschlossen, aber es gibt auch ein paar kri­tis­che Über­legun­gen dazu, wie von Werner:

„Wir müsse auf­passen welch­es Vok­ab­u­lar (er denkt, er weiß, er glaubt, er meint, dass….,) und welche Ver­hal­tensweisen wir im Umgang mit Robot­ern „einüben“, wenn wir Maschi­nen nicht Fähigkeit­en oder Zustände zuschreiben wollen, die es dann auch „vernün­ftig“ erscheinen lassen Entschei­dun­gen und let­ztlich die Kon­trolle über Dinge zu delegieren, die unser spez­i­fisch exis­ten­tielles Selb­stver­ständ­nis berühren (Autonomie, For­men der Freiheit…Triage, Sterbehilfe…Sozialmaßnahmen). (…)
Die Gefahr geht hier nicht von ein­er „über­lege­nen“ Intel­li­genz aus, son­dern davon, dass wir bere­it sind, den Gebrauch unter­schiedlich­ster Vok­ab­u­lare (und damit den Entwurf ver­schieden­er Wel­ten) zugun­sten eines einzi­gen (math­e­ma­tis­chen) zu reduzieren.”

Foto: Christof Zachl

Das Arbeitsleben der Zukunft

Nach der Arbeit | von Ver­e­na, Kulturvermittlerin

Zum Abschluss wartet der Raum „Nach der Arbeit“ auf uns – der Liebling­sort von Ver­e­na. Illus­tri­ert von >Dino< Breneis the­ma­tisiert er die Frage “Wie sieht unser (Arbeits)Leben in Zukun­ft aus?” 

Ver­e­na dazu:
“Hier habe ich viele span­nende Unter­hal­tun­gen mit Besucher*innen geführt. Es wurde sin­niert über eine zukün­ftige Welt, in der wir vielle­icht nur mehr 2 Stun­den pro Tag arbeit­en im klas­sis­chen Sinne.
Sich eine Zukun­ft vor zu stellen, in der der Men­sch gel­ernt hat, die Welt in Ein­klang mit der Natur zu gestal­ten und dabei für alle ein besseres Leben möglich wird, tut inmit­ten der Krisen­stim­mung beson­ders gut…
Selb­st­bes­tim­mung und Selb­stent­fal­tung im Arbeits- und Pri­vatleben, Träu­men im Lieges­tuhl, grünes Gras, Vogel­gezwitsch­er und der „Piz­z­abot” kommt auch schon geflogen…”

Foto: Christof Zachl

Wir sehen uns!

Das war es nun wirk­lich! Ab 24. April sehen wir uns hof­fentlich alle wieder bei der Lan­desausstel­lung ARBEIT WOHLSTAND MACHT. 

Bleiben Sie / bleibt uns treu!


 

PROJEKTTEAM ARBEIT IST UNSICHTBAR

Kura­tion: Har­ald Welz­er (wis­senschaftliche Leitung) und Robert Misik (redak­tionelle Leitung)

Gestal­tung: Ger­hard Abel, Wal­traud Ertl — Plan­et Archi­tects (Ausstel­lungsar­chitek­tur) | Christoph May­er CHM, Janne von Busse (Raum- & Audioin­stal­la­tio­nen) | Katha­ri­na Höfler, Michael Attened­er — Attened­er Grafik Design (Ausstel­lungs­grafik) | Ange­li­ka Höck­n­er, Ger­ald Moser — Ate­lier Wun­derkam­mer (Dio­ra­men, Mobile)